#Weihnachtskarte, leicht verspätet

Zu Weihnachten verschickt man Grußkarten mit guten Wünschen zu Weihnachten und zum Neuen Jahr. Früher mit der Post, heute eher per E-Mail. So tat es auch Frau Widmann-Mauz, in ihrer Eigenschaft als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Zwei Seiten hat der Kartengruß: Ein Foto der Beauftragten mit ihren Mitarbeiter*innen, einige mit Nikolaus-Pudelmützen, im Hintergrund ein beleuchteter Weihnachtsbaum. Darunter der Text „Egal woran Sie glauben.. „. Auf der zweiten Seite gezeichnete Weihnachtsutensilien und die Fortsetzung: „.. wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr“.

Man weiß nicht, ob sich die eigentlichen Adressaten über den Gruß gefreut haben. Frau Widmann-Mauz jedenfalls durfte sich über einen veritablen Shitstorm freuen. Ihr Fehler: Sie hatte nicht „Frohe Weihnachten“ gewünscht. Ihr Anliegen war womöglich, den Nichtchristen unter den Adressaten – bei der Migrationsbeauftragten sicher mehr als gewöhnlich – dennoch gute Wünsche zukommen zu lassen. Aber eine doitsche Politikerin wünscht zu Weihnachten „Frohe Weihnachten“, da verstehen wir keinen Spaß.

Wir nennen uns „Schwerin für ALLE“. „Alle“ meint selbstverständlich auch Christen, aber in Schwerin wie überall im Osten sind Christen eine Minderheit. Dennoch ist auch in Schwerin zu hören: Weihnachten ist hier immer noch das Fest der Nächstenliebe. Hier wünscht man sich zu Weihnachten „Frohe Weihnachten“, kauft eine Gans oder Pute und schenkt sich was. Das wollen wir uns nicht nehmen lassen! Als würde etwas genommen, wenn man auch Nichtchristen „besinnliche Tage“ wünscht und ihnen vermittelt, sie müssten nicht Christen sein, um dazuzugehören. Weihnachten, die Feier der Hoffnung, die man mit der Geburt eines Kindes verbindet, das Schenken, um vor allen Kindern eine Freude zu bereiten, der Wunsch nach Frieden und die Besinnung auf Familie und Nächstenliebe, das gehört mit zum Attraktivsten und Erfolgreichsten, was das Christentum zu bieten hat. Wie kleingläubig, darum zu fürchten! Und wie überheblich zu glauben, Nächstenliebe sei ein Thema nur für Christen!

Anderer Schauplatz: Noch immer versuchen Menschen, in völlig unzureichenden Booten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Nach immer neuen Behinderungen gelingt es der deutschen Hilfsorganisation „Sea Watch“, ein Schiff unter niederländischer Flagge ins Mittelmeer zu entsenden, die „Sea Watch 3“. Kurz vor Weihnachten nimmt das Schiff in internationalen Gewässern 32 Flüchtende auf, die sonst ertrunken wären. Nacheinander lehnen Italien, Spanien, Deutschland, Niederlande es ab, diese Menschen aufzunehmen. Ohne Aufnahmezusage erhält das Schiff in keinem europäischen Mittelmeerhafen eine Erlaubnis, dort anzulanden. Das Schiff bleibt mit den Geflüchteten über Weihnachten auf dem Meer. Erst nach den Feiertagen ringt sich das Bundesinnnenministerium zu einer per Twitter verbreiteten öffentlichen Erklärung durch:

Das also ist die Weihnachtsbotschaft des BMI: Hilfe nur unter Bedingungen. Nächstenliebe unter Vorbehalt. Kein Raum in der Herberge, nicht mal im Stall.
Dazu passt die Postkarte, die wir am Freitagabend vor dem dritten Advent auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt verteilt haben:

Der Grund: die Schweriner AfD hat dem Islamischen Bund in Schwerin den Kampf erklärt, weil er nach einem passenden Objekt für ein Gemindezentrum für die ca. 600 Mitglieder der islamischen Gemeinde sucht. Sie macht Stimmung gegen eine Moschee in Schwerin und möchte der Stadt deshalb per Beschluss verbieten, dem Islamischen Bund dafür Grundstücke oder Liegenschaften zu verkaufen. Weil eine Mehrheit für einen solchen Beschluss in der Stadtvertretung undenkbar ist, soll es nun ein Bürgerbegehren richten. Auch hier: kein Raum. Das Grundgesetz gewährt Religionsfreiheit, aber deren Ausübung wird so viel es geht behindert. Erwünschter Nebeneffekt: ein Bürgerentscheid könnte zusammen mit dem Kommunalwahlkampf stattfinden. So kann die AfD ihr eigentliches und alleiniges Thema, die rassistische Ablehnung inklusiver Flucht- und Migrationspolitik, zum Wahlkampfthema machen.

Die Postkartenaktion war die letzte von vielen Aktionen von Schwerin für ALLE im Jahr 2018. Das Wichtigste: wir haben es über 10 Wochen geschafft, der AfD und anderen Rechtsextremisten in Schwerin nicht das Feld zu überlassen und mit einer breiten Basis von Helfern, Verbündeten und Sympathisanten dagegen zu halten. Es wird darauf ankommen, dass wir auch im kommenden Jahr nicht nachlassen. Im Jahr der Kommunal- und Europawahl wollen wir versuchen mit den Akteuren, die auf unserer Seite stehen, möglichst vielen Menschen Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe und Einmischung aufzuzeigen und sich im gemeinsamen Interesse und nicht gegen Andere in der Kommune zu engagieren. Gegen Rassismus hilft Begegnung, Austausch, gemeinsames Tun. Das wollen wir unterstützen. Aber wir werden auch weiter bereit sein, klar Position zu beziehen, wenn zu Hetze und Ausgrenzung aufgerufen wird. Wir wollen sichtbar und erkennbar sein und jederzeit klar machen: Schwerin ist bunt und wird es bleiben. In diesem Sinne wünschen wir

ALLEN Schwerinerinnen und Schwerinern gleich welcher Herkunft, Hautfarbe und Religion eine schöne Weihnachtszeit und ein glückliches Jahr 2019!

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